The November Man ✍

Seit 06.03.2015 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

Peter Deveraux ist Agent der CIA und mit seinem großen Erfahrungsschatz fungiert er auch als Mentor für die folgende Generation des Geheimdienstes. Sein Schützling heißt Mason und während eines Einsatzes in Montenegro hält er sich nicht an die Befehle seines Lehrers und ein Kind stirbt im Gefecht. Deveraux steigt aus und begibt sich in den Ruhestand. Ein ehemaliger Mitarbeiter wird ihn jedoch wieder rekrutieren um an wichtige Informationen zu geraten, die seine Ex-Freundin und Kollegin in Moskau in Erfahrung gebracht hat. Nichts läuft wie geplant und er gerät in eine Falle die ihn zum Jäger nach der Wahrheit werden lässt, aber auch zum Gejagten durch seinen alten Arbeitgeber. Sein einstiger Schüler wird dabei auf ihn angesetzt und eine wilde Hatz durch Serbien beginnt.

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Den Agentenfilm konnte Pierce Brosnan nach seinen vier Einsätzen als James Bond nie ganz ausweichen. Sein Peter Deveraux ähnelt dabei charakteristisch eher seinem Nachfolger Daniel Craig als seiner eigenen Interpretation des britischen Spions. Er agiert voller Wut und zeigt keine Gnade im Umgang mit seinen Angreifern. Die elegante Note seiner Paraderolle entfernt er komplett aus seinem Spiel und zeigt nur noch den harten Rest. The November Man ist ein Wiedersehen zweier Künstler die beide große Erfolge verbuchen konnten, deren Karrieren sich aber mit der Zeit beruhigt haben. Weder Roger Donaldson noch Brosnan müssen etwas beweisen und nach ihrer gemeinsamen Arbeit an dem Katastrophenfilm-Hit Dantes Peak, trafen sie nun erneut zusammen und zeigen sich beide in ihren jeweiligen Metiers in bester Form.

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Man wählte mit Serbien einen kostengünstigen Drehort, auch wenn allen Beteiligten in Interviews andere schöne Gründe für diese Wahl einfallen. Oft wirken amerikanische Produktionen die in Osteuropa gedreht werden unglaubwürdig, was eine Masse an Direct-to-DVD Produktionen regelmäßig unter Beweis stellen. Bulgarische Wälder sehen nun mal nicht aus wie die Rocky Mountains (gesehen in Killing Season mit Robert De Niro und John Travolta) und selbst wenn die „falsche“ Landschaft schön anzusehen ist, so bleibt doch ein Gefühl der Unwirklichkeit zurück. Auch in The November Man sprechen natürlich alle Bewohner Belgrads englisch und in der Nachbarschaft wohnen ausschließlich Amerikaner (auch gesehen in Getaway mit Ethan Hawke). Diese filmische Naivität verzeiht man Donaldson aber schnell, seine Inszenierung ist spannend und lässt keine Pausen zum Nachdenken. Handwerklich hochwertige Actionszenen treten nicht als das eine Highlight auf, sondern finden sich in regelmäßigen Abständen und treiben die Spionagegeschichte aus der Feder des Autors Bill Granger zügig voran auf dessen Roman „There are no Spies“ der Film basiert. Donaldson arbeitete mit zahlreichen Profis aus der amerikanischen Traumfabrik zusammen, was diese Qualität begünstigt haben könnte. Die Musik kommt von Marco Beltrami und geschnitten wurde der Streifen von John Gilbert (nicht zu verwechseln mit dem John Gilbert der ebenfalls Cutter ist und Perlen wie American Pie presents: The Book of Love vollendete), der beispielsweise auch bei Der Herr der Ringe die Schere ansetzte. Für die Action zeigt sich Kameramann Romain Lacourbas als gute Entscheidung, denn er lichtete bereits für Luc Besson Colombiana und Taken 2 ab. In weiteren Filmen mit kinetischen Handlungen stand er in der Second Unit ganz weit vorn. Letztlich positionierte man neben Brosnan noch Will Patton und Olga Kurylenko und bediente sich etablierten Gesichtern.

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The November Man kann Dank dieser Crew überzeugen und verschwindet nicht hinter negativen Details die durch schlecht kalkulierte Produktionsumstände bei anderen Filmen die in Osteuropa gedreht werden zustande kommen. Pierce Brosnan als harter Hund kommt sehr gut an und macht diese Spionagestory zu einem sehenswerten Werk von Regisseur und Darsteller. Donaldson ist in den letzten Jahren ja eher weniger aufgefallen. Gespannt darf man aber auf sein Projekt schauen das sich gerade im Planungsprozess befindet. Mit einer dritten Verfilmung von Im Westen nichts Neues hat er auf jeden Fall einen Film in der Pipeline der ihn wieder in aller Munde bringen wird.