Party Invaders ✍

Dancing With Myself – Mit PARTY INVADERS realisiert Dennis Iliadis einen vergnüglichen, wenn auch etwas unentschlossenen Mix aus Science-Fiction, Teeniefilm und Horror

Die Idee ist nicht neu: Zeitreisende Figuren sind sich in der Filmgeschichte immer wieder selbst begegnet, jüngst etwa Joseph Simmons (Joseph Gordon-Levitt/Bruce Willis) in LOOPER (2012) oder der Bartender (Ethan Hawke) in PREDESTINATION (2014). Dennis Iliadis (THE LAST HOUSE ON THE LEFT, 2009) gibt diesem Kniff eine neue Wendung: Er lässt seine Protagonisten nicht mehrere Jahre oder Jahrzehnte in der Zeit springen, sondern lediglich zwanzig Minuten. Zudem verdoppelt er die Figuren nicht nur, sondern lässt sie sich durch einen Loop vervielfachen. PARTY INVADERS beobachtet, wie eine Gruppe Jugendlicher mit diesem Zeitsprung und dem davon ausgelösten Verwechslungsspiel umgeht.

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Die Handlung ist schnell umrissen: David (Rhys Wakefiled, bekannt aus THE PURGE, 2013) und sein Kumpel Teddy (Logan Miller) gehen auf die Party des Jahres – David, um sich mit seiner Freundin Jill (Ashley Hinshaw) zu versöhnen und Teddy, um Mädchen aufzureißen. Der Gastgeber hat sich ordentlich ins Zeug gelegt und die Villa sowie das Anwesen seiner Eltern in einen großen Vergnügungspark mit bunt beleuchteten Pavillons, einer Strip-Show und selbstredend viel Alkohol verwandelt – souverän und farbenfroh eingefangen von Mihai Malaimare Jr., der bereits für Paul Thomas Anderson und Francis Ford Coppola hinter der Kamera stand. So weit, so gut.

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Doch geht zu Beginn der Sause in der Nähe ein Meteorit auf die Erde nieder und bringt das Raum-Zeit-Kontinuum und somit auch die Feier durcheinander: Plötzlich gibt es von jedem Gast einen Doppelgänger und die zweite Partymeute scheint den Abend um zwanzig Minuten versetzt zu erleben und die Aktionen ihrer Originale nachzuahmen. David, Teddy und ihre misanthropische Freundin Alison (Colleen Dengel) sind die ersten, denen das auffällt und sie machen sich auf die Suche nach der Ursache für diese Unregelmäßigkeit. Von hier an spinnt Iliadis einige Ideen parallel weiter und lässt seine Protagonisten zwischen Panik und Interesse am Neuen oszillieren: David etwa versucht, den Klon seiner Freundin Jill dafür zu nutzen, Jills Flirt mit einem Anderen auszuspionieren und den bis dahin abgeschmetterten Versöhnungsversuchen eine positive Wendung zu geben. Jedoch beunruhigt ihn ein Mord, den ein Doppelgänger an seinem Original verübt. Teddys zunächst erfolgreicher Flirt mit Melanie (Natalie Hall) wird zur kuriosen Horrorshow, da sich die beiden Pärchen quasi gegenseitig in flagranti erwischen und sich angesichts der Spiegelung bedroht fühlen. Einzig Alison ist neugierig auf ihr zweites Ich und freundet sich wortwörtlich mit ihm an.

Im Verlauf erscheinen immer mehr Spiegelungen der Feiernden, jedoch verkürzt sich der zeitliche Abstand, mit welchem die Doppelgänger in Erscheinung treten, immer weiter – es stellt sich die finale Frage: Was passiert, wenn sich die Ebene der Alter Egos mit der „realen“ Zeitebene überschneidet? An sich ein Pool an unendlichen Möglichkeiten, den PARTY INVADERS jedoch nicht auszuschöpfen weiß – mehr als panische Angst vor den zeitreisenden Doppelgänger wird kaum ausgelöst. Kurz vor dem zu erwartenden Showdown gelingt eine kurzweilige, aus dem Horror-Genre entlehnte Massenszene, in der jeweils ein Original mit seiner Kopie auf Leben und Tod kämpft. Die letztendliche Auflösung des Zeitloops ist jedoch mehr als dürftig. Zudem liegt leider der Hauptfokus auf Davids Versuchen, Jill zurück zu gewinnen – eine altbekannte und dadurch fade Konstellation, die nur kurzfristig durch die Verwicklungen mit den Doppelgängern aufgepeppt wird. Das Partysetting ist etwas ungünstig gewählt, da es für nicht mehr als slapstickhafte Einlagen herhalten kann und zu sehr verführt, das Geschehen auf der Feier zu lange zu beobachten. So sorgt etwa ein Betrunkener, der mit dem eigenen Doppelgänger in trauter Zweisamkeit die gesamte Party auf der Couch verschläft, für ein kurzes Schmunzeln – nett anzusehen, aber ohne Mehrwert. Derweil hätte Iliadis aus den kleinen Twists, die sich aus der interessanten Grundidee ergeben, mehr als nur witzige Einwürfe gestalten können: Alisons Erkundung des eigenen Ich verdient mehr Aufmerksamkeit, zudem wäre eine proaktivere Vorgehensweise gegen die „party invaders“ spannend und hätte dem Plot gut getan. Ebenso hätten die weiterführenden Fragen zwar nicht final beantwortet, doch zumindest gestellt werden können: Ist es möglich, die Zeitloops gegen die Doppelgänger zu wenden? Was passiert, wenn mehrere Kopien aufeinandertreffen? Verschenkte Gelegenheiten, die aus PARTY INVADERS eine zwar bunte und amüsante, aber leidlich spannenden Mashup aus Teenie- und Science-Fiction-Film macht, dem die Erkundung der eigenen Funktionsweisen sowie ein beherzterer Griff in die Horror-Trickkiste gut getan hätten.



Party Invaders (OT: +1), USA 2013 – Regie: Dennis Iliadis. Drehbuch: Bill Gullo und Dennis Iliadis. Kamera: Mihai Malaimare Jr. Darsteller: Rhys Wakefield, Logan Miller, Ashley Hinshaw, Natalie Hall. Prossess Films. Verleih: Universum Home Entertainment, 96 Minuten. DVD-Release: 15.08.2014.