Magic Magic ✍

Ab 26.06.2014 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

Wenn heute junge Gesichter, mit angespannter Mine, auf einem Filmplakat über einem düsteren Wald prangen, so findet man sich meist in einem Zielgruppenhorrorfilm wieder. Diese verlaufen oft nach Schema F und können nur bedingt überzeugen oder Spannung aufbauen und auch halten. Magic Magic überrascht trotz eben jenem Covers, mit einer unfassbar guten Inszenierung, die es schafft nicht nur spannend zu sein, sondern auch regelrecht Angst zu verbreiten.
Die schüchterne Alicia fährt, ohne große Freude und einem unguten Gefühl, mit ihrer Cousine Sarah nach Chile, um dort ein paar Tage mit deren Freunden zu verbringen. Bereits auf dem Weg dort hin bekommt sie das Gefühl vermittelt nicht „Willkommen“ zu sein. Als Sarah dann plötzlich auf halber Strecke umkehren muss, wegen eines wichtigen Termins, beginnt für die junge Kalifornierin eine Tortur. Unter den mitreisenden Augustin, Sarahs Freund, dem aufdringlichen Brink und der abweisende Barbara fühlt sie sich zunehmend bedroht. Als nach einer schier unerträglichen Wartezeit Sarah wieder bei ihr ist, wird es aber nicht besser, sondern ihre Ängste weiten sich aus und stürzen sie in ein tiefes emotionales Loch.

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Der chilenische Regisseur Sebastián Silva, erzählt die von ihm selbst erdachte Psycho-Studie in seinem Heimatland. Der ländliche Süden des lateinamerikanischen Staates bietet eine hervorragende Kulisse und wirkt unverbraucht auf das landschaftsverwöhnte Filmgemüt. Ablenkung von den jungen Darstellern braucht es aber nicht, sie tragen die Story ohne Schwierigkeiten und beeindrucken durch ihre Szenen in denen sie ihre gespielten Gefühle so gut an das Publikum verkaufen das man vergisst einen Spielfilm zu sehen. Allen voran ist Juno Temple, bekannt aus Killer Joe oder The Dark Knight Rises, zu nennen, welche die Alicia spielt. Neben ihr sticht Michael Cera heraus, der es mittlerweile gewohnt ist Hauptrollen zu spielen, hier aber in einer fantastischen Nebenrolle glänzt. Seine Interpretation des überdrehten, pervers anmutenden und infantilen Brink, lässt einem den Schauer über den Rücken laufen und seine Wandlung innerhalb der Geschichte ist ebenfalls eine der vielen Umbrüche die unerwartet über einem hereinbrechen.

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Ohne Effekthascherei oder Gore entwickelt der Thriller eine Härte, psychischer Natur, wie man es sonst eher von einem Roman Polanski kennt und dieser Vergleich ist keinesfalls zu hoch gegriffen! Alles um die Charaktere wird reduziert um ihr Verhalten zu intensivieren, damit man am Ende doch ein ganz anderes Resultat erfährt, als vermutlich gedacht. Von Anfang an fühlt man sich unwohl zwischen den fünf Urlaubern, die alle auf ihre Weise etwas Undurchsichtiges bis Unsympathisches an sich haben. Jede Situation versetzt einen in Starre und lässt hoffen dass es bald einen Ausweg geben wird. Damit ist Magic Magic, seit langer Zeit, der klassischste Beitrag eines modernen Filmemachers zum Suspense.

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Kamermann Christopher Doyle, der mit dem Wuxia-Hit Hero 2002 schon eine grandiose optische Gewalt erzeugte, ist auch hier eine maßgebliche Kraft gewesen, wie im kurzen Making Of angedeutet wird, aber auch seine Bilder sind hier nur Hintergrund vor den Leistungen der Darsteller. Inwieweit Michael Cera, als ausführender Produzent, dem Projekt seinen Stempel aufdrücken konnte bleibt leider im Bonusmaterial unbeantwortet.

Ich kann diesen Psycho-Thriller uneingeschränkt empfehlen, den jungen Zuschauern, wie den Erfahrenen gleichermaßen.