Revenge of the Green Dragons ✍

Seit 19.02.2015 auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

„Wir Chinesen sind das Arschloch Amerikas“. So beschreibt ein Gangleader der Green Dragons den Stellenwert seiner Landsleute in der amerikanischen Gesellschaft. „Wenn ein Schlitzauge stirbt, ermittelt die Polizei erst gar nicht“. Das sind harte Worte, aber sie treffen auf die vielen illegalen Einwanderer aus Asien zu, die sich in den 70er Jahren ein besseres Leben in den Vereinigten Staaten versprachen. Unter ihnen befinden sich auch die beiden Jungen Sunny und Steven. Sie sind nicht verwandt, werden aber durch ihr gemeinsames entbehrungsreiches Leben zu Brüdern. Um ihre hohen „Reisekosten“ bei ihrem Kreditgeber abzuarbeiten, schuften sie für einen Hungerlohn als Tellerwäscher. Auf schmerzhafte Weise geraten die Beiden schnell in eine der in New York herrschenden Gangs, den Green Dragons. Ihre Karriere im Untergrund bringt sie bis an die Seite der Oberhäupter. Ihr Alltag ist von Gewalt und Geld geprägt, nach Jahren sind sie abgestumpft, doch der Sinn für Gerechtigkeit ist nie ganz in ihnen verstummt und wird ihnen bald große Probleme bereiten.

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Revenge of the Green Dragons erzählt eine wahre Begebenheit, basierend auf der Zeitungsstory und Berichterstattung eines amerikanischen Journalisten. Er zitiert aber auch strukturell Es war einmal in Amerika oder Scarface. Real sind allerdings nur wenige der Charaktere. Sunny und Steven sind fiktiven Leitfiguren in diesem Film. Den Regiestuhl teilten sich der renommierte Andrew Lau und Andrew Loo, welcher erst das zweite Mal inszenierte. Ihr Blick ist hart und brutal. Jeder Fehltritt geht mit Bestrafung einher und die fällt immer blutig aus. Besonders zu Beginn wird eindrücklich Veranschaulicht, wie hilflos die Schwachen den Starken in einer grausamen Hierarchie ausgeliefert sind. Wer hier Prügel einsteckt teilt seinen Schmerz mit dem Zuschauer, der geneigt sein wird die Augen zu schließen. Nicht etwa wegen seiner krassen Gewaltdarstellung, sondern wegen der Hilflosigkeit der Protagonisten. Der einzige Weg zu überleben ist mitzulaufen und so werden die Straßenbrüder schnell selbst zu den Gangstern die sie eigentlich fürchteten.

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Martin Scorsese fungiert als Executive Producer und gibt dem Regisseur Andrew Lau Unterstützung für seine Immigrations-Geschichte. Man könnte sagen, dass sich der amerikanische Filmemacher bei seinem chinesischen Kollegen revanchieren möchte, schließlich war Departed – Unter Feinden ein Remake von Laus Internal Affairs – Die achte Hölle (OT: Mou gaan dou), der Scorsese den Regie-Oscar einbrachte.

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Mit circa 90 Minuten Spielzeit ist ein biographisches Werk eher kurz, tatsächlich aber fühlt sich der Film länger an, ohne dabei zu langweilen. Die einzelnen Szenen werden knapp mit Zeit bemessen, sie fliegen an einem vorbei, liefern reichliche Informationen ohne die Story in die Länge zu ziehen. Als prominentester Gast im Ensemble tritt Ray Liotta auf, der einen Polizisten verkörpert. Somit erhält Revenge of the Green Dragons einen weiteren GoodFellas-Touch. Der Aufstieg vom unschuldigen Straßenkind zum Oberschurken und dessen tiefer Fall, waren stets eine beliebte Geschichte und wurden oft genug in vielen guten, bereits genannten Werken, erzählt. Den beiden Andrews ist es gelungen einen weiteren respektablen Beitrag dazu abzuliefern, auch wenn die grünen Drachen manchmal in der Zitat-Falle landen. Die epische Größe von Leone oder De Palma erreicht dieses Bad-Guy-Biopic nicht, weiß aber trotzdem bei der Stange zu halten. Seine Geschwindigkeit ist der Trumpf, die keine überflüssigen Momente zulässt. Die Optik steht den aktuellen Standards eines High-Budget-Movies in nichts nach. Bei geschätzten Ausgaben von fünf Millionen Dollar ist das dann auch ein Applaus wert.